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Ehrenpreise 2018

Barbara Hannigan

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Sie will Musik sein - als ob Musik machen nicht schon komplex genug sei. Der kanadischen Sopranistin Barbara Hannigan genügt es nicht, Musik zu singen, zu spielen, zu gestalten, sich mit ihr auseinandersetzen. Sie  verliert sich in ihren Bühnenrollen, um sich zu finden. Seit Hannigan das Dirigieren für sich entdeckt hat, kam eine weitere Ausdrucksmöglichkeit dazu. Ihre Körpersprache ist dann wie Singen - nur stumm. Und wenn ihr danach ist, kann man sie in Konzerten erleben, in denen sie sowohl singt, als auch dirigiert. Alban Bergs Oper „Lulu", die Christoph Marthaler in Hamburg 2017 um sie und ihr cooles Charisma herum inszenierte, wurde als Aufführung des Jahres gefeiert.  Sie hat George Benjamins Oper „Written on Skin“ ebenso und doch ganz anders zu „ihrem“ Stück gemacht. Sie hat Preziosen von Erik Satie aufgenommen, Andris Nelsons hat mit ihr Werke von Hans Abrahamsen eingespielt und Peter Eötvös das Ligeti-Requiem. Auf ihrer aktuellen CD kombiniert sie als Dirigentin und Sängerin Bergs „Lulu“-Suite mit Berios „Sequenza III“ und einer Suite aus Gershwins „Girl Crazy“. Eine unwiderstehliche und faszinierende Mischung, die außer dieser Frau niemand unfallfrei hinbekäme. (Für den Jahresausschuss: Joachim Mischke)


Herbert Blomstedt

herbert_blomstedt_credit-martin_u-k_lengemannHerbert Blomstedt ist einer der letzten großen Kapellmeister klassischen Zuschnitts, die ihr Handwerk von Grund auf beherrschen. Klare Zeichengebung und perfekte Schlagtechnik weiß er mit Partiturtreue und einer tiefen geistigen Durchdringung der Werke zu verbinden. Letzteres hat in jüngster Zeit, da die mediale Revolution auch in der sogenannten ernsten Musik immer häufiger zu effektvoll lustiger Quotenjagd verführt, fast schon Seltenheitswert erlangt. Blomstedt indes, ausgebildet in Stockholm, Uppsala und an der Juillliard School, Schüler unter anderem von Markevitch und Bernstein, war gegen solcherlei Anfechtungen stets gefeit durch das hohe Ethos der Empathie und Ehrlichkeit, das ihm sein adventistisches Elternhaus mit auf den Weg gab. Und sein Repertoire kennt keine Grenzen, seine rastlos produktive Neugierde ist immer wieder frisch, selbst noch in seinem neunzigsten Lebensjahr. Bereits mit 27 übernahm Blomstedt erstmals ein Orchester als Chefdirigent: das Norrköping Symphony Orchestra. Jeweils jahrelang leitete und formte er die Dresdner Staatskapelle, das San Francisco Orchestra und das Leipziger Gewandhausorchester, und führte sie zu neuer Blüte. Eine Fülle exemplarischer Tonträgeraufnahmen dokumentieren dieses einmalige Lebenswerk, entstanden mit drei höchst unterschiedlichen Orchester von Weltruf, darunter Gesamtaufnahmen der symphonischen Werke von Brahms und Beethoven, Sibelus und Nielsen - Referenzaufnahmen ohne Druck, mit Nachhaltigkeit. (Für den Jahresausschuss: Eleonore Büning)


Till Brönner

Ehrenpreisträger Till Broenner. Copyright: Patrice BryllaSeinen ersten Preis der deutschen Schallplattenkritik bekam er bereits 1993, und zwar für sein Debütalbum „Generations Of Jazz“. Damals war Till Brönner gerade mal 22 Jahre jung. Seitdem hat sich viel, sehr viel getan. Broenner, der schon in der Jesuitenschule Aloisiuskolleg zu Bonn-Bad Godesberg Klassiktrompete spielte und dann in Köln Jazztrompete studierte, ist längst ein internationaler Star, der mit seinem Spiel weit über enge Genregrenzen hinaus wirkt und die Jazztrompete im besten Sinne zum Popmusikinstrument konvertiert hat. Von Bebop und Fusion kommend integriert Brönner Filmmusikatmosphäre und Popchromleisten, Countrystimmung und Chansonflair. Und auch betörende Evergreensehnsucht ist ihm nicht fremd. Dabei wirkt er immer elegant und stilsicher, bleibt nie bloß an der schönen Oberfläche. Man nimmt dem Trompeter, Sänger, Produzenten, Arrangeur, Komponisten und Professor an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden ab, dass er sein Metier aus dem Effeff beherrscht, dass er es liebt und ernst nimmt. Deshalb wurde es Zeit für einen weiteren Preis der deutschen Schallplattenkritik - und zwar für einen Ehrenpreis.  (Für den Jahresausschuss: Manfred Gillig-Degrave)


Ehrenpreisträger 1968 bis 2017

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