Ehrenpreise 2009

Der Preis der deutschen Schallplattenkritik e.V. zeichnet jedes Jahr eine Auswahl der besten Ton- bzw. Bildtonträgerproduktionen mit Jahrespreisen aus. Außerdem vergibt er Ehrenurkunden an Persönlichkeiten, die sich um die Musikaufzeichnung auf Ton- und Bildtonträgern besonders verdient gemacht haben.

Die an je einen Interpreten aus den Bereichen Klassik und Nichtklassik sowie an einen Produzenten verliehenen Ehrenurkunden 2009 gehen an:

Pierre Laurent Aimard

aimardDie Zahl hervorragender Pianisten ist kaum mehr zu überblicken. Aber nur die wenigsten schaffen es, ein eigenes Profil zu entwickeln. Pierre-Laurent Aimard ist dies geglückt. Er gilt seit den 1990er-Jahren weltweit als einer der herausragenden, wenn nicht gar als der führende Interpret zeitgenössischer Klaviermusik. Bereits mit zwölf Jahren wurde Aimard Schüler von Yvonne Loriod (der Ehefrau Olivier Messiaens), mit neunzehn von Pierre Boulez in dessen Ensemble InterContemporain berufen. Gesegnet mit einer ausgezeichneten Technik, einer schnellen Auffassungsgabe und einem hervorragenden Gedächtnis, das auch komplexeste atonale Partituren mühelos memorieren kann, entwickelte sich Aimard als Solist ebenfalls zum bevorzugten Uraufführungs-Pianisten zahlreicher Komponisten wie etwa Boulez, Stockhausen und vor allem Ligeti. Doch Aimard hat sich nie ausschließlich als Anwalt zeitgenössischer Musik verstanden und sich in den letzten zehn Jahren auch als Interpret des barocken bis romantischen Repertoires einen herausragenden Namen erspielt (für die Jury: Gregor Willmes)


Rolf Kühn

kuehnEin deutscher Jazzmusiker vom Weltformat – das war und bleibt eine Rarität. Rolf Kühn zählt zu dieser Königsklasse des Jazz. Nachdem er als Heranwachsender hierzulande mit den besten Big Bands gespielt hatte, fand er bereits in den fünfziger Jahren außergewöhnliche Anerkennung in den USA. Er wurde als Solist der Band seines frühen Idols Benny Goodman gefeiert und entwickelte als Klarinettist einen völlig unverwechselbaren Ton. Wie nur ganz wenigen gelang es Rolf Kühn, einen Bogen von der Jazztradition zu zeitgenössischen Ausdrucksformen zu schlagen und die im Jazz oftmals eine Randexistenz fristende Klarinette ins Zentrum zu rücken, indem er ihr neue Ausdrucksmöglichkeiten erschloss. Mit einem untrüglichen Sinn für Klangästhetik, Form und Struktur wagte er als Improvisator mutige Ausflüge in innovative Gefilde, die er mit musikalischer Sensibilität und gestaltender Kraft auszumessen weiß. Es ist bezeichnend für Rolf Kühn, dass er, der so oft mit anderen stilprägenden Musikern des Jazz zusammengearbeitet hat, in jüngster Zeit ein kreatives Bündnis mit wesentlich jüngeren Berliner Musikern eingeht und sich auch auf diese Weise eindrücklich zum Band der Generationen im Jazz bekennt (für die Jury: Bert Noglik).

Burkhard Schmilgun

schmilgunKaum ein anderes Klassik-Label als cpo kann sich rühmen, Monat für Monat eine Entdeckung nach der anderen zu veröffentlichen. Dahinter steht Burkhard Schmilgun, der seit 1991 als Produzent und Director A&R nicht nur für die Auswahl der Künstler, sondern vor allem auch für das Repertoire verantwortlich zeichnet. Mit seinem Gespür für Lücken abseits des Mainstreams hat er nicht nur den Katalog des Labels nachhaltig geprägt, sondern auch selbst ein Stück Rezeptionsgeschichte geschrieben. Seinem Engagement ist es zu verdanken, dass so mancher verschollene oder als Kleinmeister geschmähte Komponist überhaupt erst wieder zu Ehren gekommen ist, seiner Beharrlichkeit, dass in den letzten Jahren wegweisende Groß-Editionen entstehen konnten wie die der Orchesterwerke von Erdmann, Hindemith, Korngold, Krenek, Pettersson, Toch, Weingartner und Wellesz (für die Jury: Michael Kube).


 

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