Lisbeth Exner, Herbert Kapfer: Verborgene Chronik 1914

verborgene_chronikIn der Fülle der Publikationen zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs besticht dieses als Buch wie auch als Hörbuch auf drei Teile angelegte Projekt: Insbesondere in der akustischen Fassung gelingt es, die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ eindringlich zu vergegenwärtigen – mit Auszügen aus 37 bislang nicht veröffentlichten und von ihrem Ursprung her auch nicht zur Veröffentlichung bestimmten Tagebüchern unbekannter Menschen, die dank der Recherche der Herausgeber im Begleitheft eine Biographie erhalten. Ausgewählt wurden die Texte aus annähernd 200 Dokumenten, die den Weg in das Deutsche Tagebucharchiv in Emmendingen gefunden haben. Chronologisch geordnet, mit wechselnden Schauplätzen und Perspektiven, fügen sie sich zu einer literarischen Collage, die sich zu einem Gesamtbild des ersten halben Kriegsjahres weitet, einem unzensierten Zeugnis kollektiver Erinnerung. Dabei verzichtet die Regie auf künstliche Dramatisierung. Man meint, den Soldaten, Offizieren, Ärzten und Krankenschwestern, aber auch den daheimgebliebenen Verwandten zuzuhören, wie sie ihre privatesten Ansichten äußern, ihre Hochgefühle und Zweifel; man wird Zeuge, wie die patriotische Verblendung und anfängliche Kriegseuphorie bald in Desillusionierung umschlägt. „Verborgene Chronik 1914“ ist beste Geschichtsschreibung von unten. Sie erweitert den Blick über das vermeintlich bereits Gewusste hinaus und justiert es neu.
(Für die Jury Wolfgang Schiffer)

Der Jahrespreis wurde im Rahmen der Leipziger Buchmesse am 13. März 2015 in in der Alten Handelsbörse verliehen.

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