Bestenlisten

Mit einem Platz auf der Bestenliste werden vierteljährlich die besten und interessantesten Neuveröffentlichungen der vorangegangenen drei Monate ausgezeichnet. Bewertungskriterien sind künstlerische Qualität, Repertoirewert, Präsentation und Klangqualität. Die Longlists sind ab 2014 direkt bei jeder Bestenliste hinterlegt.

NEU: Longlist 3/2022, veröffentlicht am 06.07.2022

Bestenlisten

Kammermusik

Mieczysław Weinberg: Streichquartette Vol. 1

Nr. 2 op.3/145; Nr. 5 op. 27; Nr. 8 op. 66. Arcadia Quartet. Chandos CHAN 20158 (Note 1)

Mehr als vielversprechend ist dieser Beginn einer neuen Gesamtaufnahme aller siebzehn Streichquartette, die Mieczysław Weinberg zwischen 1937 und 1986 komponiert hatte – das erste noch daheim in Polen, die Hauptwerke in seinem Moskauer Exil, teils im Wettbewerb mit seinem Freund und Mentor Schostakowitsch. Frühe Aufnahmen dieses allmählich zu seiner berechtigten Stellung im Repertoire gelangenden Korpus sind oft noch vom Furor des Entdeckens geprägt. Das Arcadia Quartett nimmt nun gerade soviel Abstand wie nötig, um neben der auch im Leisen wirksamen Eindringlichkeit die vielen Schönheiten dieser besonderen Quartettwelt zu zeigen. Für die Jury: Benjamin Herzog

Kammermusik

Johannes Brahms: Sonaten für Viola und Klavier op. 120

Wiegenlied op.49 Nr.4; Zwei Gesänge op.91; Nachtigall op.97 Nr.1. Antoine Tamestit, Cédric Tiberghien, Matthias Goerne. harmonia mundi HMM 902652

Tamestit und Tiberghien kleiden die spätromantischen Sonaten von Brahms in kuscheligen Samt. Ihre Interpretation vermeidet Pathos, sie lebt allein von betörender Farbenvielfalt und einem subtil abgetönten Klangbild, das nicht zuletzt dem historischen Bechstein-Flügel von 1899 zu danken ist, über dessen Dämmerton die Stradivari-Bratsche ungemein zärtlich leuchtet. So auch in den »Zugaben« des Programms: den Lied-Arrangements sowie Goernes baritonaler Darbietung der ursprünglich für Alt komponierten Gesänge op.91. Seine Stimme, mit wärmender Dunkelheit, liegt tiefer, als die der Bratsche – ein Rollenwechsel, der hilft, wahrzunehmen, wie schön Tamestits Instrument singen kann. Für die Jury: Thilo Braun

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