Ehrenurkunden vergibt der PdSK an herausragende Persönlichkeiten, die sich als Interpreten, Künstler oder Produzenten um die Musikaufzeichnung auf Ton- und Bildtonträgern besonders verdient gemacht haben.

Mit der Nachtigall – einer von dem Künstler Daniel Richter entworfenen Bronzeskulptur – zeichnet der PdSK herausragende Künstler aus, die unser Musikleben nachhaltig beeinflusst und zum Besseren gewendet haben – und noch wenden.

Joomla "wookie mp3 player 1.0 plugin" by Sebastian Unterberg

Ehrenpreise und Nachtigall 2020

icon Ehrenpreise und Nachtigall 2020

François-Xavier Roth

ep2020-francois-xavier-roth-web

Ein Dirigent, der sich aufs Universalistendasein spezialisiert hat: Klingt widersprüchlich, ist aber nur konsequent, wenn man so vielseitig, so wach und aktiv ist wie François-Xavier Roth. Ebenso beliebt wie erfolgreich, setzt er als Kölner Generalmusikdirektor und Gürzenich-Chefdirigent Saison für Saison neue Akzente. Das von ihm begründete französische Originalklang-Ensemble „Les Siècles“ hat er nebenbei zu internationalem Erfolg geführt. Dabei legt er größten Wert auf historische Informiertheit in der Erkundung der französischen Musik des späten neunzehnten Jahrhunderts und des Fin de Siècles: für jedes Einzelwerk wird das passende Instrumentarium gestellt, das erhöht den Arbeitsaufwand, aber auch die Freude am Ergebnis, wenn neue Klangfarben und Schärfungen entstehen. Seine Einspielungen sind nicht nebenbei konsumierbar, weil sie so eigen sind. Seine Repertoire-Bandbreite reicht von frühem Barock bis in die jüngste Gegenwart. Und mit jedem Projekt, das er anpackt, setzt Roth neue Maßstäbe. Sein Motto: „Musik provoziert. Das ist ein Erlebnis. Musik, die nicht provoziert, ist langweilig.“ (Für den Jahresausschuss: Joachim Mischke)


Alberto Basso

ep2020-alberto-basso-webWenn es jemanden gibt, der Igor Strawinskys viel zitiertes Bonmot widerlegt hat, Antonio Vivaldi sei „ein Langweiler, der sechshundertmal dasselbe Konzert komponiert“ habe, dann ist es der 1931 in Turin geborene Musikwissenschaftler Alberto Basso. Die von ihm initiierte und betreute Vivaldi-Edition bei „Naïve“ startete 2001 mit einem Album mit Concerti da camera, sie umfasst inzwischen achtundfünfzig  Folgen – und ist noch lange nicht abgeschlossen: eines der größten Editionsprojekte der Schallplattengeschichte. Geplant ist, alle rund 450 Werke Vivaldis einzuspielen, deren Manuskripte heute in der Nationalbibliothek von Turin liegen: Opern und Kirchenmusiken, Arien, Kantaten, Sonaten, Symphonien – und natürlich Concerti über Concerti, von denen keines dem anderen gleicht. Der Reichtum dieses Repertoires lässt einen immer wieder neu staunen, bei jeder neuen CD-Veröffentlichung der Edition, wobei Bassos Leidenschaft und Kompetenz hochkarätige Interpretationen und wissenschaftliche Genauigkeit garantieren – ein Lebenswerk! (Für den Jahresausschuss: Michael Stegemann)


Moses Pelham

ep2020-moses-pelham-web„Ich bin ne lebende Legende und wär schon längst in Rente/wenn ich nur jemanden fände der den Job machen könnte.“ So rappte Moses Pelham in dem Stück „Höha, schnella, weita“. Das ist bald ein Vierteljahrhundert her. Er hatte, zusammen mit Thomas Hofmann, das Rödelheim Hartreim Projekt (RHP) gegründet, das die deutschsprachige Rap-Szene aufmischte. Als Künstler und Produzent wie auch als Gründer und Chef des Plattenlabels 3p – pelham power productions, Motto: „Mehr Bass“ –bleibt Pelham auch nach Auflösung von RHP auf Erfolgskurs: nimmt Schwester S. alias Sabrina Setlur unter die Fittiche sowie die Rapper Illmatic, UnterWortverdacht, Azad; entdeckt Xavier Naidoo, gründet die Gruppe Glashaus. Und veröffentlicht 1998 sein erstes Soloalbum, „Geteiltes Leid 1“, Start einer Trilogie, deren zweites Kapitel 2004 und deren drittes 2012 folgt. Auch mit „Herz“ (2017) und „Emuna“, das im März 2020 herauskommt, zeigt Pelham, dass er im deutschen Rap und HipHop in seiner eigenen Champions League spielt. Er ist nun mal „’ne lebende Legende“. Es gibt keinen anderen, der einen so einzigartigen Job macht. (Für den Jahresausschuss: Manfred Gillig-Degrave)


Nachtigall 2020

Brigitte Fassbaender

nachtigall2020-brigitte-fassbaender-webBlüte, Fülle, Leben, Liebe, Witz, Tiefe, Strenge, Wärme, Klarheit, Dunkelheit, Glut und Glanz, aber auch Anmut und Erotik, Wahrheit, Offenheit, Intelligenz, Unbedingtheit, Menschlichkeit: Es sind viele, teils einander ausschließende Begriffe, mit denen sich die unverwechselbare Jahrhundertstimme der Mezzosopranistin und Altistin Brigitte Fassbaender beschreiben ließe – keiner trifft es ganz. Zum Glück gibt es Tonträger, auch wenn sie das Live-Erlebnis nicht ersetzen. Über 250 Schallplatten, Oper und Lied, von Bach bis Schönberg, von Gluck bis Strauss (und Strauß) hat Fassbaender aufgenommen im Laufe ihrer Bühnenkarriere, die sie einundzwanzigjährig im Ensemble der Bayerischen Staatsoper begann und 1995 überraschend, aber konsequent beendete, weil „ein langsames Ausklingen“ für sie nicht in Frage kam: „Ich wollte in Topform zurücktreten“. Mit Liebe, Witz, Strenge, Offenheit, Intelligenz usw. (siehe oben) baute sie sich eine zweite, beispiellos erfolgreiche Karriere auf, als Regisseurin und Opernintendantin, die noch längst nicht zu Ende ist: Zur Zeit erarbeitet Fassbaender für die Festspiele in Erl erstmals Wagners „Ring“. (Für den Jahresausschuss: Eleonore Büning)

Ehrenpreisträger 1968 bis 2019

Joomla "wookie mp3 player 1.0 plugin" by Sebastian Unterberg