Carlos Kleiber: Traces to Nowhere

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Genie und Wahnsinn liegen im Künstlertum oft dicht beieinander. Doch kaum einmal werden ihre ekstatischen Momente so vortrefflich ins Bild gerückt wie bei Carlos Kleiber, dem Sohn des berühmten Pultstars Erich Kleiber. Rundum alles, was diesen Tatbestand ausmacht, wird in dem faszinierenden Filmdokument von Eric Schulz sichtbar. Bewundernswert und tragisch zugleich. Über Musik und Interpretation, nicht zuletzt auch darüber, welche phänomenalen Eigenschaften vonnöten sind, um als vergleichbare Ausnahmeerscheinung zu gelten, erfährt der Zuschauer in dieser Musikerdemonstration mehr als ihm jemals in Oper oder Konzert zuteil werden konnte. „Wir sehen und hören einen Menschen,“ sagt Michael Gielen, wie viele andere im Film befragt, „der mit Musik arbeitet und dabei einen Funken entzündet, man weiß nicht, woher der kommt.“ Jeder, der mit Carlos Kleiber musizieren durfte, wurde von der feurigen Energie seines Ingeniums, der exzessiv erzeugten atmosphärischen Spannung in Probe und Aufführung bedingungslos mitgerissen. Bedauerlich nur, dass die enge Begrenzung seines Repertoires wie die konstante Verweigerung persönlicher Auskünfte den medialen Nachlass unzureichend erscheinen  lässt. Vielleicht eine Folge des gleichsam manisch gehüteten väterlichen Erbes oder sogar einer Doppelnatur geschuldet: superb und entrückt im Triumph, dennoch doch scheu, zuweilen verklemmt, stets aber unberechenbar und mimosenhaft verletzbar im Innern. Ein Typ wie er ist weit und breit nicht auszumachen. Selbst Amateuren, das belegt die Dokumentation Traces to Nowhere  auf Schritt und Tritt, bleibt jene abenteuerliche Erkenntnis nicht verborgen. (Für die Jury: Peter Fuhrmann)

Die Preisverleihung ist am 16. November 2011 im Rahmen einer Filmvorführung "Carlos Kleiber - Traces to nowhere" im Hermann-Wolff-Saal in der Berliner Philharmonie. Beginn der Veranstaltung: 18 Uhr.

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