
Jürgen Frey – ein Nachruf
Ende Oktober verstarb im Alter von 74 Jahren der langjährige PdSK-Juror an einem Herzstillstand in seiner Berliner Wohnung. Jurykollege Johannes Theurer erinnert an ihn.
17.11.2025 – Ihm lagen kritisches Denken und Handeln. Als er mit 17 die Badische Zeitung in Freiburg mahnte, mehr Jugendthemen anzubieten, wurde er gleich als »Jugend-Reporter« engagiert. Die Anti-Atomkraft-Bewegung der 70er hat ihn geprägt, u.a. der Widerstand gegen das AKW in Wyhl. Sein Buch »Das haben wir daraus gelernt« thematisierte 1979 politisch wirksame Musik. Folk und Politik waren auch seine Schwerpunkte als Redakteur der musikredaktionellen Rebellen-Zeitschrift SOUNDS in den 70ern. Im ARD-Hörfunk platzierte er Musiksendungen. Als er beim schottischen Edinburgh Festival eine Übersetzerin für Roma-Gesprächspartner engagierte, traf er auf seine spätere Frau, die bis zuletzt mit ihm glücklich verheiratet war und zwei Kinder in die Ehe brachte. Er schrieb und übersetzte Bücher mit wissenschaftlicher Akribie, beendete aber sein Völkerkunde-Studium vorzeitig (was bei Musikjournalisten seinerzeit oft vorkam). 1987 erschien »Eine Geschichte der Folkmusik« und 1991, im World Music Boom, auf Deutsch »Musik der Welt« (David Reck, 1977) in Jürgen Freys Übersetzung. 1998 bis 2006 war er Kulturredakteur der Badischen Zeitung und arbeitete seither frei. Freunde schildern ihn als humorvoll, ernsthaft und als sangesfreudig – z.B. im Berlin-Moabiter Integrationsprojekt »Chor für alle«. Seine Frau Isobel Williams, selbst Autorin vieler Bücher, legte mir gegenüber viel Wert auf die Feststellung: »He was a loving Man!«