Christian Broecking

08.02.2021 – Politische und gesellschaftliche Relevanz der ästhetisch und intellektuell reichhaltigen Musikformen, die unter dem Label „Jazz“ zusammengefasst sind, war das Generalthema in Christian Broeckings publizistischer Arbeit, das er immer wieder neu ins Auge fasste. Der afroamerikanische Ursprung des Jazz lässt stets die Erfahrung von Rassismus, Segregation und Besitzlosigkeit mitschwingen, zusammen mit dem Impuls der Rebellion dagegen – das sollte im Getümmel der Stile und Debatten nicht vergessen werden. So lässt sich ein zentrales Anliegen von Christian Broeckings Arbeit umschreiben.

Broecking wurde 1957 in Flensburg geboren, lebte seit Menschengedenken in Berlin und immer in großer Nähe zur Musik. Er arbeitete für Tages- und Wochenzeitungen, war Mitinitiator des Berliner Jazz-Radios, dessen Programmdirektor er von 1994 bis 1998 war. Er gehörte seit 2002 zur Jazz-Jury beim Preis der Deutschen Schallplattenkritik, arbeitete für Fachmagazine und Hörfunk, lehrte an Hochschulen, schrieb Bücher und begann irgendwann, sie auch selbst zu verlegen. Seine erste Buchpublikation, die erhebliches Aufsehen erregte, war der Interview-Band »Der Marsalis Faktor«, das letzte gewichtige Buch seiner im Rückblick enorm konsequent gebauten Publikations-Reihe war eine Arbeit über die Pianistin Irene Schweizer. Am 2. Februar ist Christian Broecking, nach langer, zäh bekämpfter Krankheit, im Kreise seiner Familie gestorben. Vielen LeserInnen, HörerInnen, KollegInnen, FreundInnen wird er schrecklich fehlen.

Für den PdSK: Hans-Jürgen Linke

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