Hanspeter Krellmann

Hanspeter Krellmann

24.06.2021 – Mit einem Rilke-Zitat beginnt überraschend eines der späten Bücher Hanspeter Krellmanns: »Nirgends wird Welt sein als innen.« Überraschend ist das insofern, als dieser Autor, allseits hoch geschätzt als Musikwissenschaftler und Musikdramaturg, aber auch als ein breit aufgestellter Musikjournalist, eher für seine Akribie bekannt war als für bekenntnishafte Pointen. In diesem Falle jedoch ging es um eine Rettungsaktion: Es galt, Edvard Grieg sowohl gegen den allfälligen Kitschvorwurf wie auch gegen falsche Liebhaber zu verteidigen.

In seiner Analyse der Griegschen Lyrischen Klavierstücke für den Beck-Verlag kommt Krellmann zu dem Ergebnis, dieser »Komponist der kleinen Form« habe es, dank der Sprachgewalt seiner Melodien, vermocht, »groß zu erscheinen«. Für den Preis der deutschen Schallplattenkritik e.V. indes, für den er jahrzehntelang treu als Juror tätig war, kümmerte sich Krellmann zuletzt vorwiegend nur noch um die große Form: um die Symphonik.

Der »Preis« hat ihm viel zu danken. Etliche Jury-Kollegen meldeten sich, als vor einigen Wochen die Nachricht von Hanspeter Krellmanns Ableben die Runde machte, betroffen beim PdSK-Büro, sie tauschten per Mail und telefonisch Erinnerungen aus. Sieben Jahre lang, von 1993 bis 2000, hatte Krellmann als erster Vorsitzender im Vorstand des PdSK-Vereins gewirkt – mit Ingo Harden als Stellvertreter. Andere kannten ihn vor allem aus seiner Zeit als Chefdramaturg der Bayerischen Staatsoper, einflussreich zumal in der Sawallisch-Ära, aber auch darüber hinaus, bis ins Jahr 2002. Nicht zuletzt seiner staunenswerten Vielseitigkeit halber wuchs Krellmann in Münchner Musikerkreisen der Spitzname eines »Ersatz-Göthe« zu. Auch dem Dirigenten Wolfgang Sawallisch widmete Krellmann ein Buch, als Herausgeber. Zahlreich die von ihm initiierten Veröffentlichungen zu Problemen des Musiktheaters heute, herausragend etwa die bizarre Aufsatzsammlung zu der auch politisch wichtigen Frage »Wer war Richard Strauss?«, erschienen im Insel-Verlag anno 1999. Nicht nur zu Grieg verfasste Krellmann für Kusenbergs legendäre Rororo-Reihe eine Bildmonographie. Außerdem schrieb er über so unterschiedliche Komponisten wie Anton Webern und George Gershwin.

Geboren am 11. Januar 1935 in Würzburg, hatte Hanspeter Krellmann Musik, Musikwissenschaft, Theatergeschichte und Alte Geschichte studiert, in Düsseldorf und Köln, wo er 1966 mit einer Arbeit über Ferruccio Busoni promovierte. Nach ersten Erfahrungen als freier Musikjournalist wechselt er 1976 die Seiten und begann, bevor er nach München ging, zunächst als Dramaturg am Staatstheater Darmstadt. Später folgten Lehraufträge, Unitätigkeiten. Am 18. Mai 2021 starb Hanspeter Krellmann im Alter von 86 Jahren nach schwerer Krankheit. Die Trauerfeier für ihn wird stattfinden am Freitag, den 16.Juli, auf dem Gemeindefriedhof in Taufkirchen, im Kreise der Familie.

»Die Teilnahme am Musikleben war ihm immer eine Herzensangelegenheit, der er sich bis fast zum letzten Tag intensiv gewidmet hat«, schrieb uns sein Sohn André Krellmann. Das kann man nur bestätigen. Eben deshalb schien uns sein Tod eben doch »plötzlich« zu sein, obgleich er sich angekündigt hatte.

Bis zuletzt war Krellmann schaffend und schreibend tätig, unter anderem schrieb er regelmäßig für die nmz. Noch 2018 reiste er nach Berlin, um bei einem Quartett der Kritiker mitzuwirken, zum Thema Webern. In der aktuellen »Ausgezeichnet« 2021 ist sein Name auch noch ein Weilchen posthum vertreten; es war nämlich Krellmann gewesen, der erst kürzlich die offizielle Laudatio verfasst hatte auf einen Beethoven-Bestentitel mit Andrew Manze und der NDR-Radiophilharmonie. Wir ehren sein Andenken.

Für den Vorstand des PdSK e.V.
Eleonore Büning

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