Ehrenurkunden vergibt der „Preis der deutschen Schallplattenkritik“ an herausragende Persönlichkeiten, die sich als Interpreten, Künstler oder Produzenten um die Musikaufzeichnung auf Ton- und Bildtonträgern besonders verdient gemacht haben.

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Ehrenpreise 2014

Marek Janowski (Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin)

Marek Janowski. Foto: Felix BroedeAuch der Beruf  des Dirigenten unterliegt dem Wandel, den die neue Mediengesellschaft mit sich bringt. Heute können junge Tausendsassas Blitzkarrieren machen, wobei es oft mehr auf die Show ankommt als auf  Beherrschung des Repertoires. In diese Übergangszeitwirren hinein ragt Marek Janowski wie ein Koloss, wie ein Mahnmal. Er ist ein Arbeiter im Weinberg der Musik, ein glänzender Vertreter traditioneller Kapellmeistertugenden und ein kompromissloser Kämpfer für Qualität. Dabei vertritt er den nicht gerade populären, aber pragmatischen Standpunkt: „Sobald es ums Musikmachen geht, hört die Demokratie im Orchester auf.“ Janowski wurde groß als Korrepetitor, Assistent, alsbald Chefdirigent in Aachen, Köln, Düsseldorf, Hamburg, Freiburg, Dortmund. Und wie zuerst die Orchester ihn erzogen hatten, so erzog er sich alsdann seine Orchester. Dies ist seine Spezialität geworden: Dass er, wie kein anderer, vernachlässigte, auch mittelmäßige Klangkörper wieder in eine Spitzenposition zurück dirigieren kann. Beglückende Präzision, eine besessene, kompromisslos intensive Probenarbeit und außerordentliche Klangkultur sind seine Markenzeichen. Und oft leitete Janowski als Chefdirigent mehrere Orchester parallel, zurzeit das Orchestre de la Suisse Romande und das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (RSB). Etliche großartige, oft preisgekrönte Plattenaufnahmen sind im Lauf dieser Karriere entstanden. Der 1980/83 mit der Dresdner Staatskapelle eingespielte „Ring des Nibelungen“ von Richard Wagner ist bis heute maßstäblich, und im Wagner-Jubiläumsjahr 2013 brachte Janowski mit seinem RSB alle zehn großen Wagner-Opern beim Label Pentatone heraus, entstanden als Mitschnitt eines umjubelten Berliner Konzertzyklus. Hierfür, aber auch für die Gesamtaufnahme aller Symphonien von Hans Werner Henze bei Wergo, die kurz vor der Vollendung steht, für seinen Bruckner-Zyklus bei Pentatone sowie für die diversen von ihm betreuten Opernerstaufnahmen (z.B. Hindemith, Penderecki) verleiht ihm der Preis der deutschen Schallplattenkritik den Ehrenpreis 2014.
(Für den Jahresausschuss des PdSK: Eleonore Büning)

Der Ehrenpreis wurde am 9. Februar 2014 im Rahmen eines Konzerts mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin in der Berliner Philharmonie überreicht.


Tomasz Stańko

Tomasz Stanko. Foto: Andrzej Tyszkoverkl Wie lange ist Tomasz Stańko schon Polens wichtigster Jazz-Botschafter? Lange! So lange, dass wir uns kaum an die Anfänge erinnern können. Seine Vitalität ist ungebrochen, bis heute, die  individuelle Schönheit seines spröden, an den Rändern bröckelnden Tons unverwechselbar. Mit immer neuen Planungen und spontanen Einfällen im Gepäck wandert dieser Trompetenvirtuose, Jahrgang 1942, durch das Weltall seiner Erfahrungen. Einzigartig die intensiven Dialoge, die von geschriebener Poesie angeregten Stimmungen. Die Melancholie der langsamen Stücke wurde gelegentlich als Ausdruck seiner "slawischen Seele" aufgefasst, sie konnte aber doch im nächsten Moment ausbrechen in Erinnerungen an den frühen, kantigen Free Jazz, an die selige Geborgenheit des Vierviertel-Swing. Seit 2007 hat Tomasz Stańko ein Appartement in New York, er gründete ein Quartett mit amerikanischen Musikern. Zuletzt bewies Stanko mit dem Doppelalbum "Wisława", verlegt vom Label ECM, erneut frische Präsenz. Hierfür und für seine Lebensleistung verleiht die Jury des Preises der deutschen Schallplattenkritik diesem großen Jazzmusiker den Ehrenpreis 2014.

(Für den Jahresausschuss des PdSK: Ulrich Olshausen)

 

Hariprasad Chaurasia

Hariprasad ChaurasiaDer Kosmos der klassischen indischen Musik kennt viele Virtuosen, manche davon, etwa Ravi Shankar, Ali Akbar Khan oder Shivkumar Sharma, sind auch in Teilen der westlichen Klanggalaxis populär geworden. 1938 in Allahabad als Sohn eines Ringers geboren, schaffte es Pandit Hariprasad Chaurasia als Seiteneinsteiger bis in die Riege der indischen Weltklassemusiker. Auf der nordindischen Bambusflöte, die er bereits mit sechzehn Jahren für sich entdeckte, brachte er es zur höchsten Meisterschaft. Im Laufe seiner Karriere schlug Hariprasad Chaurasia immer wieder Brücken zur westlichen Musik. Das vom Label ECM verlegte Album „Making Music“ mit John McLaughlin, Jan Garbarek und Zakir Hussain (1986) ist eine der gelungensten Produktionen mit Ost-West-Fusion. Aber auch die Aufnahmen klassischer Ragas, die in den Achtzigern und Neunzigern auf dem Stuttgarter Label Chhanda Dhara erschienen, zeigen einen ungemein sensiblen und spirituellen Meister, der die Flöte als „Stimme der göttlichen Liebe“ erklingen lässt. Hierfür und für sein Lebenswerk verleiht ihm die Jury des Preises der deutschen Schallplattenkritik den Ehrenpreis 2014.
(Für den Jahresausschuss des PdSK: Manfred Gillig-Degrave)

Der Ehrenpreis wurde am 27. Mai 2014 in Köln im Rahmen eines Konzerts überreicht.

 

Christian Gerhaher

Christian Gerhaher. Foto: Jim Rakete for Sony ClassicalDieser Sänger ist ein Geschenk. Sobald er singt, versinkt die Welt. Vor allem kann man, was je an Menetekeln über die Krise der Gesangskunst im Zeitalter technischer Reproduzierbarkeit gesagt oder geschrieben wurde, auf der Stelle vergessen, da es durch den Bariton Christian Gerhaher schlechterdings widerlegt, ja, gegenstandslos gemacht wird. Gesangstechnisch kennt sein Können keine Grenzen. Die musikalische Intelligenz, mit der er seine farbenreiche, hell timbrierte Baritonstimme führt und jede feinste Ton- und Textfaser durchgestaltet, ist überragend. Ganz ohne Beispiel aber in seinem Fach steht Christian Gerhaher da, wenn es um die Vielseitigkeit seines Repertoires geht.  Er ist nicht nur einer der großartigsten Liedsänger unserer Tage, wenn nicht: der beste. Er singt mit der nämlichen pathosfreien Hingabe und superlativischen Unbedingtheit auch Oper, Oratorium und Operette, alte wie neue Musik: Gerhaher ist der tragikomischste Eisenstein, der glühendste Prinz von Homburg, die verlorenste Pelléas-Seele, der treueste Wolfram von Eschenbach. Und alles, was er singt, wird lebendig und wahr. Dies ist vielleicht das Schönste und Höchste, was man einem Musiker überhaupt bescheinigen kann: Authentizität.

(Für den Jahresausschuss des PdSK: Eleonore Büning)

Christian Gerhaher wurde am 5. August 2015 im Rahmen der Salzburger Festspiele mit der Nachtigall 2014 geehrt.

Ehrenpreisträger 1968 bis 2013

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