Ehrenurkunden vergibt der „Preis der deutschen Schallplattenkritik“ an herausragende Persönlichkeiten, die sich als Interpreten, Künstler oder Produzenten um die Musikaufzeichnung auf Ton- und Bildtonträgern besonders verdient gemacht haben.

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Ehrenpreise 2015

Bernard Haitink

haitinkSeit mehr als einem halben Jahrhundert ist Bernard Haitink eine Konstante in der Welt der klassischen Musik. In seiner Dirigierkunst verbinden sich beste Kapellmeistertugenden mit höchster Musikalität und Sensibilität. Ob in der Oper oder im Konzert: Unter Haitinks Stabführung wird Musik wie selbstverständlich lebendig. Seine Aufnahmen der Symphonischen Dichtungen von Liszt sowie der großen Symphonienzyklen von Beethoven, Schumann, Brahms, Tschaikowsky, Bruckner, Vaughan Williams sowie von Mahler und Schostakowitsch sind wegweisende diskographische Marksteine, die Interpretationsgeschichte geschrieben haben. Bernard Haitink ist ein Diener der Musik im besten Sinne des Wortes. Er hat die Gabe, einen Komponisten einfach aus sich selbst und für sich sprechen zu lassen und nichts zu tun, was von der plausiblen Vermittlung der musikalischen Botschaft ablenken könnte. Ohne blendendes Beiwerk konzentriert er sich auf das Wesentliche und spannt musikalisch zwingend den großen Bogen von der ersten Note bis zum Schlussakord. Bernard Haitink verkörpert eine künstlerische Seriosität, die im lauten Musik-Business unserer Tage selten geworden ist.
(Für den Jahresausschuss des PdSK: Norbert Hornig)


Chris Jasper

Chris Jasper Ehrenpreis der deutschen Schallplattenkritik 2015 Chris Jasper ist eine lebende Legende. Am 30. Dezember 2014 feierte er seinen 63. Geburtstag, ruht sich aber nicht auf den Lorbeeren als Mitglied von Isley Jasper Isley und den Isley Brothers aus. Dabei hätte er für die (Sänger-)„Rente mit 63“ genügend anrechnungsfähige Punkte gesammelt: Songs wie „For The Love Of You“, „Caravan Of Love“ und das in den HipHop als Sample weitergereichte „Fight The Power“ haben längst Evergreen-Status. Genug Material für Konzertreisen mit einem „Best of “-Programm. Doch Chris Jasper ist den anderen Weg gegangen und hat fast ein Dutzend Soloalben für sein Label Gold City Music aufgenommen. 2013 erschien „Inspired … By Love, By Life, By The Spirit“, das wegen seines warmen, organischen Sounds auch in Europa großen Anklang fand. Nur Monate später legte er mit „The One“ ein weiteres Meisterstück vor. Jasper zeigt hier beispielhaft sein Können als Crooner, souverän zelebriert er jenen gefühlsbetonten, eleganten Easy-Listening-Stil. Doch auch in punkto Funk beweist Chris Jasper Gespür für Groove und Knackigkeit. Zudem interpretiert er mit Marvin Gayes „What’s going on“ ein Lied mit einer Botschaft, die 2015 so aktuell ist wie zu Zeiten des Vietnamkriegs. So krönt er eine in der Welt der Black Music einzigartige Karriere.
(Für den Jahresausschuss des PdSK: Torsten Fuchs)


Coco Schumann

Coco Schumann. Foto: F. BongersMit Talent, Hingabe und maßlosem Glück hat Coco Schumann eine einmalige Karriere gemacht. 1924 war dafür nicht gerade ein gutes Geburtsjahr, denn er lief als sogenannter „Halbjude“ voll in den Rassenwahn der Nazis hinein. Mit zwölf war er bereits dem Swing verfallen; als Schlagzeuger zunächst, dann als Gitarrist tingelte er durch Berliner Clubs, den gelben Stern todesmutig in der Tasche. 1943 nahm diese gefährdete Idylle ein jähes Ende. Schumann wurde nach Theresienstadt deportiert, wo es als Vorzeigegruppe die „Ghetto Swingers“ gab, auch in einem Film, der die Normalität des angeblichen „Sommerheims für erholungsbedürftige Juden“ vorweisen sollte. Doch nach den Dreharbeiten wurde Schumann mit der Gruppe nach Auschwitz verlegt. Dort musste er für die Opfer auf dem Weg in die Gaskammern „La Paloma“ spielen. Von den 16 Musikern überlebten drei. Nach dem Krieg emigrierte Schumann nach Australien, heuerte auf Kreuzfahrtschiffen an. Als wahrscheinlich erster deutscher Besitzer einer (von einem Freund gebastelten) elektrischen Gitarre spielte er Swing, frühen Bebop, verjazzte Schlager, brasilianische und französische Hits, deutsche Chansons – unter anderen mit Helmut Zacharias und Marlene Dietrich. Die Hamburger Kammerspiele machten 2012 aus seinem Leben ein Theaterstück. „Ein normaler Mensch bräuchte fünf Leben für das, was ich erlebt habe.“ Wir gönnen diesem musikbesessenen Kommunikationsgenie sein sechstes von Herzen.
(Für den Jahresausschuss des PdSK: Ulrich Olshausen)

 

Leonard Cohen

Leonard Cohen„Hallelujah“ gehört zu den am häufigsten interpretierten Stücken der Post-Woodstock-Ära, und „Suzanne“ ist quasi Volksgut geworden: Mit seinem Schaffen prägte Leonard Cohen Generationen von Musikern, von Nick Cave bis Wolfgang Niedecken. Kurz vor seinem 80. Geburtstag am 21. September 2014 veröffentlichte er das Album „Popular Problems“, das er seinem langjährigen Zen-Lehrer Kyozan Joshu Sasaki Roshi widmete, der am 27. Juli 2014 im Alter von 107 Jahren verstorben war. Im Vergleich dazu ist der Kanadier geradezu jung, auch wenn seine Stimme ein wenig brüchiger und rauher tönen mag. In Montreal als Sohn eines jüdischen Textilkaufmanns geboren, veröffentlichte Cohen 1956 mit „Let Us Compare Mythologies“ den ersten Gedichtband; mit den Romanen „The Favourite Game“ (1963) und „Beautiful Losers“ (1966) festigte er seinen Ruf als Dichter und Schriftsteller. Doch dann stellte er sich als Singer/Songwriter auf die Bühne, später verarbeitete er vom Blues bis zum dezenten Soul-Groove noch andere Stile. 1967 erschien das Debütalbum „Songs Of Leonard Cohen“, es wurde zum Welterfolg. Seitdem ist der Musikmagier im Maßanzug mit seinen oft melancholischen, mystischen und manchmal auch monotonen Liedern ein Monolith in der Hall of Fame der Popkultur.
(Für den Jahresausschuss des PdSK: Manfred Gillig-Degrave)

Ehrenpreisträger 1968 bis 2014

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