Ehrenurkunden vergibt der „Preis der deutschen Schallplattenkritik“ an herausragende Persönlichkeiten, die sich als Interpreten, Künstler oder Produzenten um die Musikaufzeichnung auf Ton- und Bildtonträgern besonders verdient gemacht haben.

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Ehrenpreise 2017

Wolfgang Rihm

Wolfgang Riehm (Copyright SWR/Astrid Karger)

Inzwischen hat er an die fünfhundert Werke für nahezu alle musikalischen Gattungen geschrieben. Hierzulande wie auch international zählt Wolfgang Rihm, Jahrgang 1952, zu den bedeutendsten deutschen Komponisten der Gegenwart. Musik zu erfinden besteht für diesen genussfreudigen, undogmatischen, umfassend gebildeten Künstler aus lustvollen Momenten, die er mit seiner Subjektivität geradezu körperlich durchlebt und emotional durchdringt. Rihm komponiert handschriftlich. Er zwingt der Musik nichts auf, er verfolgt vielmehr ihren Wachstumsprozess. „Vegetatives Komponieren“ nennt er diesen Energien freisetzenden, komplexen Vorgang. Und Rihm sagt: „Ich liebe es, wenn es singt!“ Was Wunder, dass sein Œuvre etliche Opern und eine Fülle von Liedern umfasst, die seismographisch der Aura der Texte nachspüren, darunter Goethe-Lieder wie die „Harzreise im Winter“, uraufgeführt 2012 von Christian Gerhaher. Sie stand, zusammen mit anderen Goetheliedern Rihms, in einer Interpretation von Hans Christoph Begemann und Thomas Seybold kürzlich auf der Bestenliste des Preises der Deutschen Schallplattenkritik. Auch von Rihms Orchester- und Kammermusiken gibt es preiswürdige Aufnahmen, oftmals in der Lesart verschiedener Interpreten. Kein anderer Komponist unserer Zeit kann eine so umfangreiche Diskographie vorweisen, wie Rihm, womit er die Präsenz der zeitgenössischen Musik auf dem Tonträgermarkt mit Nachdruck verteidigt. (Für den Jahresausschuss: Heinz Zietsch)


Palazzetto Bru Zane

Edouard Lalo: La Jacquerie / Marie Jaell: Musique symphonique / Musique pour piano(Ediciones Singulares)Seit mehr als drei Jahrzehnten werden CDs in so genannte Jewelcases verpackt – ein nobles Wort für eine letztlich doch recht schnöde quadratische Plastikschachtel, die, manchmal, nicht immer, durch das Booklet aufgewertet wird. Dass es auch anders, vor allem schöner gehen kann, haben schon viele versucht, doch nur wenige durchgehalten. Einzigartig sind dagegen in jeder Hinsicht die Plattenproduktionen des venezianischen Centre de musique romantique française der Stiftung Palazzetto Bru Zane, in fruchtbarer Zusammenarbeit mit dem spanischen Label Ediciones Singulares. Hier ist der Name zum Programm geworden – von der künstlerisch hochkarätig besetzten Produktion bis hin zur individuellen Präsentation der CDs, jeweils in hochwertig ausgestattetem Buchformat, mit ausführlichen, den historischen Hintergrund ausleuchtenden Essays. In den letzten Jahren sind zwei Serien entstanden, die mit jeder einzelnen veröffentlichten Einspielung aufs Neue verblüffen, sowohl in der Reihe "Opéra française" (Foto links), die vergessene Opern präsentiert, wie auch in der Reihe der "Portraits" (Foto rechts), die verschollenen Werken teils bekannter, teils vergessener Komponisten gewidmet ist. So ist das in seiner Fülle kaum überschaubare französische Repertoire des langen 19. Jahrhunderts neu zu entdecken, von Gounod über Massenet bis Catel und Joncières, in jeweils herausragenden Interpretationen. (Für den Jahresausschuss: Michael Kube)

Der Ehrenpreis wurde zum Auftakt der Oper Phèdre von Jean-Baptiste Lemoyne am 8. Juni im Théâtre des Bouffes du Nord in Paris verliehen.


Christian Brückner

Christian Brückner. Copyright Mathias Bothor / PhotoselectionSeinen Ehrentitel „The Voice / Die Stimme“ verdankt Christian Brückner gewiss auch der Tatsache, dass er als Synchronsprecher Robert de Niro und anderen Filmgrößen zu akustischer Präsenz verhalf.  Doch sein eigentliches Feld ist die interpretierende Gestaltung und das Vorlesen von Literatur. Radiohörer kennen diese unverwechselbar knarzige Stimme, mit der Brückner selbst feinste atmosphärische Nuancen ausdrücken kann, aus zahlreichen Hörspielen, nicht selten hat seine Mitwirkung dabei zu Preisen für die Produktion entscheidend beigetragen. Als das in den USA längst verbreitete Hörbuch endlich auch auf dem deutschen Markt ankam und sich zahlreiche Hörbuchverlage gründeten, wurde Brückner schnell einem noch größeren Publikum bekannt. Um die Qualität der literarischen Vorlagen, denen er, der sich selbst stets qualitative Höchstleistungen abverlangt, seine Stimme leiht, selbst bestimmen zu können, gründete er gemeinsam mit seiner Ehefrau Waltraut im Jahr 2000 einen eigenen Verlag: Parlando – Edition Christian Brückner. Seither hat er in einer Symbiose von bester Auswahl und interpretatorischer Exzellenz mit der Vielfalt klassischer wie auch zeitgenössischer Belletristik, mit Poesie und politischen Schriften aus verschiedenen Epochen große Erfolge gefeiert. Werke von Joseph von Eichendorff oder Charles Baudelaire, James Joyce, Annie Proulx, Franz Kafka, Herman Melville, Peter Stamm, Don DeLillo, Navid Kermani oder Adalbert Stifter: Was immer die Literatur uns als Entwurf oder auch Gegenentwurf zur Welt anbietet, das verwandelt sich unter Christian Brückners aufs Genaueste interpretierenden Stimmführung in eine erlebbare Geschichte. (Für die Jury: Wolfgang Schiffer)

Der Ehrenpreis wurde am 18. Mai 2017 im Literaturhaus in München verliehen.


Nachtigall 2017

Udo Lindenberg

Udo Lindenberg - Preisträger der Nachtigall 2016. Copyright: Tine AckeAm 17. Mai 2016 feierte er seinen siebzigsten  Geburtstag, doch seinem Album „Stärker als die Zeit“, das wenige Wochen vorher auf den Markt kam, merkt man das Alter des Künstlers nicht an. Udo Lindenberg ist dank seiner Musik jung und fit geblieben. Sein Lebenswerk ist immens – vielfältig, mutig, intelligent, unterhaltsam, liebenswert, experimentierfreudig. Er hat gezeigt, dass Rockmusik auch mit deutschsprachigen Texten funktioniert und Sprücheklopfen witzig sein kann. Seiner schnoddrigen Attitude wegen könnte man Lindenbergs untrügliches Sprachgefühl leicht übersehen. Doch er ist einer der besten deutschsprachigen Textdichter unserer Tage. Legionen von Kollegen, ob Westernhagen oder Waggershausen, lernten von ihm. Mit seinem Panik-Orchester gab er einst dem Tango die Ehre, „Rudi Ratlos“ hieß der Geiger. Er fuhr 1983 im „Sonderzug nach Pankow“, um später Erich Honecker Lederjacke und Gitarre zu schenken („Gitarren statt Knarren“), und trat als Maler sowie als Pate für ein Edellikörsortiment in Erscheinung. Den ersten Echo für sein Lebenswerk bekam Udo Lindenberg 1992, zwei weitere folgten. Er hat auch schon das Bundesverdienstkreuz, die Goldene Stimmgabel, die Goldene Europa, die Goldene Henne, die Goldene Kamera, jede Menge Goldene Schallplatten, einen Bambi und einen Sack voll weiterer Preise. Da fehlt nur noch eine einzige, eine einzigartige Auszeichnung – und das ist die „Nachtigall“ vom Preis der deutschen Schallplattenkritik. Dieser spezielle Vogel, eine vergoldete Bronzeskulptur des Künstlers Daniel Richter, ist nicht nur ein Kompliment der Kritiker vom Fach an den Großmeister seines Fachs. Ein Kunstwerk, limitierte Edition, macht sich auch in jedem Trophäenschrank gut. (Für den Jahresausschuss: Manfred Gillig-Degrave)

Ehrenpreisträger 1968 bis 2016

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