Von Anderson bis Zender: Die elf Jahrespreise 2016 vom PdSK e.V.

jahrespreis-117px-transparentBonn. Der Preis der deutschen Schallplattenkritik e.V. gibt die elf Siegertitel bekannt, die mit einem Jahrespreis 2016 ausgezeichnet werden. Insgesamt waren 113 Produktionen, die in den letzten achtzehn Monaten herauskamen, von der Gesamtjury als herausragend evaluiert und für die Longlist nominiert worden. Dem Jahresausschuss oblag die Qual der Wahl, aus dieser Fülle abermals eine Auslese treffen zu müssen, wobei die repräsentative Bandbreite an Musiksorten, wie sie vom PdSK e.V. Quartal für Quartal beobachtet und bewertet wird, immer noch aufscheinen sollte. Unter den Jahrespreisen finden sich Neues neben Altem, eine Verdi-Oper neben einem Soul-Blues-Debut, Jazz-Poesie neben Schubert-Liedern, Trommelgesänge neben Hör-Dramen.

Je ein Jahrespreis 2016 geht an 1.) den Chordirigenten Hans-Christoph Rademann und seinen Dresdner Kammerchor für ihr waghalsiges Unterfangen, sämtliche Vokalwerke von Heinrich Schütz aufzunehmen, mit hervorragenden Solisten und auf historisch informierter Textbasis, insbesondere für die 2016 neu erschienene Johannespassion (Carus/Note1); 2.) an den norwegischen Pianisten Tord Gustavsen, der sich für sein Album What Was Said mit melancholisch-zarten Übermalungen heimatlicher Kirchenhymnen mit dem Perkussionisten Jarle Vespestad und Sängerin Simin Tander zusammentat (ECM/Universal); 3.) an Hörspielautor Ben Neumann und Regisseur Christoph Kalkowski für die reich ausgestattete, fulminant besetzte Hörspielproduktion von Jewgenij Samjatins Zukunftsroman „Wir“ (Audio Verlag); 4.) an den Dirigenten Pablo Heras-Casado, das Freiburger Barockorchester, die Geigerin Isabelle Faust, den Cellisten Jean-Guihen Queyraz sowie den Pianisten Alexander Melnikov für ihr innovatives Robert-Schumann-Projekt mit Sämtlichen Trios und Konzerten (harmonia mundi); 5.) an den New Yorker R&B-Künstler Maxwell für den zweiten Teil seiner lebensprühenden New-York-Trilogie: blackSUMMERS’night (Sony); 6.) an den russischen Ausnahmepianisten Grigory Sokolov für den Salzburger Live-Mitschnitt eines Konzertes mit Beethovens Hammerklaviersonate und späten Schubert-Stücken (DG/Universal); 7.) an den Dirigenten Antonio Pappano für seine neue Maßstäbe setzende Studioeinspielung der Oper Aida von Giuseppe Verdi, mit herausragenden Solisten, u.a. Anja Harteros und Jonas Kaufmann (Warner); 8.) an den jungen weißen Blues-Sänger Anderson East aus Alabama für sein erstaunliches erstes Album Delilah (Electra/Warner); 9.) an den Tenor Christoph Prégardien und den Pianisten Julius Drake für ihre entspannt-meisterhafte Schubertlesart auf dem Album Poetisches Tagebuch, mit den raren Schulze-Liedern (Challenge/New Arts International); 10.) an die Berliner Musikethnologin Edda Brandes, die für das kleine Entdecker-Label Benkadi die unerhörten Töne der traditionellen Musikformen Mauretaniens einfing, in Ton und Bild (www.benkadi.org); 11.) an den Akkordeonisten Teodoro Anzellotti und den Violaspieler Christophe Desjardins, die auf ihrem Album …of waters making moan sechs zeitgenössische Kompositionen in Ersteinspielung vorstellen, von Hans Zender, Rebecca Saunders, Gérard Pesson, Marco Stroppa und Jonathan Harvey.
 icon Jahrespreise 2016


jp-ausschuss-pdsk-2016Dem Jahresausschuss gehörten 2016 folgende elf Juroren an: Susanne Benda (Jury Chormusik, Stuttgarter Nachrichten), Eleonore Büning (Jury Kammermusik, FAZ), Sabine Fallenstein (Jury Cembalo & Orgel, SWR), Michael Kube (Jury Orchestermusik, freier Autor, u.a. Fono Forum,), Joachim Mischke (Jury Filmmusik, Hamburger Abendblatt), Jan Reichow (Jury Traditionelle ethnische Musik, WDR); Wolfgang Schiffer (Jury Hörbuch, freier Autor, WDR); Werner Stiefele (Jury Jazz I, freier Autor, u.a. Stuttgarter Zeitung); Jörg Wachsmuth (Jury R&B, Soul&HipHop, freier Autor, u.a. für das Portal rap2soul.de), Heinz Zietsch (Darmstädter Echo und freier Autor, Jury Grenzgänge), sowie, beratend, Vorstandsmitglied Manfred Gillig-Degrave (Jury Alternative, Musikwoche). (Foto: Angelika Inhoffen)

Die Bekanntgabe der vom Jahresausschuss gekürten Ehrenpreisträger 2017 und des Nachtigall-Preisträgers 2017 erfolgt zeitnah im neuen Jahr.
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Neue Bestenliste der Schallplattenkritik

bestenlste-117px-transparentBonn. Der Preis der deutschen Schallplattenkritik (PdSK e.V.) veröffentlicht hiermit seine vierte Vierteljahresliste in 2016. 156 Juroren, aufgeteilt in 32 Fach-Jurys, stimmten ab, um die besten neuen Ton- und Bildtonträger aus dem zurückliegenden Quartal zu küren. Insgesamt waren 240 Titel nominiert worden, davon schafften es 26 Titel auf die Bestenliste, und die Bandbreite der Genres, Klänge und Farben ist wieder einmal enorm.

In der Kategorie "Hard & Heavy“ siegte die Band Sodom mit Decision Day. Für die DVD-Jurys gab es diesmal nur einen überzeugenden Besten-Titel: Die mutige Dokumentation What Happened, Miss Simone von Liz Garbus. Die Jury „Alternative“ einigte sich auf das grandiose Studioalbum Boy King von Wild Beasts. Eine Erstaufnahme von Orchesterkompositionen der israelischen Komponistin Chaya Czernowin wurde von der Jury „Neue Musik“ für preiswürdig befunden, nicht zuletzt der hochkarätigen Interpreten halber, darunter zwei der besten deutschen Orchester: das SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Die Jury „Alte Musik“ einigte sich auf entdeckenswerte Requiem-Musiken von zwei wenig bekannten Komponisten am Hofe der Habsburger, Fux und Kerll, glänzend eingesungen vom belgischen Ensemble Vox Luminis, und auch die Juroren der beiden Opernjurys holten diesmal zwei betörende schöne Wiederentdeckungen aus der Raritätenecke: die barocke Seria Venus und Adonis von Johann Christoph Pepusch, dargeboten von der Harmonious Society of Tickle-Fiddle Gentlemen, sowie das fragmentarisch überlieferte, von fremder Hand vollendete Politmusikdrama La Jacquerie von Édouard Lalo. In der Kategorie Klaviermusik machte der Pianist Lars Vogt das Rennen mit seinem originellen Recital For Children, bestens geeignet auch für ältere Kinder aus allen Lebensaltern, Bartók kombinierend mit Schumann und Larcher. In der Kategorie Cembalo und Orgel dagegen siegte Magdalena Hasibeder mit ihrem Doppelalbum Frobergers Reisen, das an den großen Organisten Johann Jacob Froberger und dessen Zeitgenossen erinnert. Die Jazz-Juroren blicken sehnsüchtig in die Vergangenheit: einerseits wählten sie den Konzertmitschnitt Musical Monsters aus dem Jahr 1980, jetzt erstmals aufgelegt, zum Besten des Quartals; andererseits die letzten Aufnahmen der Jazzlegende aus New Orleans, Allen Toussaint. Im Bereich der Orchestermusik dagegen siegte die Kammerakademie Potsdam mit Symphonien von Mendelssohn Bartholdy sowie der Geiger Vadim Gluzman und das Estonian National Symphony Orchestra unter Neeme Järvi mit zwei Violinkonzerten von Sergej Prokofjew. Schließlich: Die Hörbuch-Jury. Sie ließ sich überzeugen von Stephan Göritz und seinem Feature: Krieg ist nicht gut für den Frieden.

Außerdem auf der Bestenliste: der britische Tenor Ian Bostridge und der Londoner Rapper Anthony Joseph; der bayrische Liedermacher Georg Ringsgwandl und die brasilianische Sambalegende Elza Soares; das junge Asasello Quartett mit einer Schönberggesamtaufnahme und das Trio Mediaeval nebst der Kantelespielerin Sinikka Langeland; das neue Blues-Album von Keb’ Mo‘ & Band und die Metamorphosen des Ovid, aufbereitet von Karlheinz Koinegg zu lebensprühenden Hörspielen für junge Hörer; der Helsinki Chamber Choir mit Chormusiken von Beat Furrer und Anne-Mari Kivimäki mit einem karelischen Konzeptalbum; das Schumannsche Violinkonzert in bahnbrechenden historischen Aufnahmen, die man teils für verschollen hielt, mit Georg Kulenkampff und Saschko Gawriloff. Sowie die Sängerin Aynur, flankiert von Kniegeige und Langhalslaute, mit Hawniyaz.

icon Bestenliste 4-2016

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Keith Jarrett - Itzhak Perlman - Klaus Buhlert - Nikolaus Harnoncourt. Das sind die Ehrenpreisträger 2016. Dazu die aktuelle Longlist der Jahrespreise

Bonn. Der Jahresausschuss des Preises der deutschen Schallplattenkritik (PdSK e.V.) hat getagt. Er veröffentlicht heute die aktuelle Longlist für die Jahrespreise 2016, nominiert von der Gesamtjury. Die Liste umfasst 113 herausragende Produktionen aus den letzten achtzehn Monaten. Welche Titel davon das Rennen machen werden, wird in vier Wochen bekannt gegeben.
 
Zeitgleich gibt der Jahresausschuss des PdSK e.V. die drei bislang unveröffentlicht gebliebenen Ehrenpreisträger 2016 bekannt. Mit einem Ehrenpreis ausgezeichnet werden Hörspielmacher Klaus Buhlert, Pianist Keith Jarrett und Geiger Itzhak Perlman. In den Begründungen der Jury dazu heißt es, Klaus Buhlert habe als Autor wie auch Regisseur eine Fülle von Produktionen geschaffen, in denen „Literatur zu etwas Neuem geworden ist: zu Wort- und Klangkunst erster Güte“; das Ideal des Jazzpianisten Keith Jarrett, der als „Pendler zwischen den verschiedenen Genres“ berühmt wurde, sei „eine Art intuitives Komponieren, das sich erst und nur im Akt des Spiels materialisiert“. Den Weltklassegeiger Itzhak Perlman würdigt die Jury für seinen „betörend schönen Ton“, mit dem er „vielen Menschen das Herz und die Welt der Geige“ geöffnet habe: Perlman „glaubt an die Kraft der Musik als eine internationale Sprache, seine Kunst war immer auch Botschaft und Appell an die Menschlichkeit.“

Die Nachtigall 2016 wurde posthum dem epocheprägenden Dirigenten Nikolaus Harnoncourt zugesprochen, der im Februar dieses Jahres verstarb.

icon Longlist Jahrespreise 2016

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Jahrespreisverleihung an COOL MILLION beim 4. Soulfood-Festival

cool-million-jahrespreis-2015-verliehen-am--5.-november-2016Bremerhaven. Getreu ihrem Motto „Take soul back to the future“ bieten Cool Million „Soul und Funk auf der Höhe der Zeit und einen über jeden Zweifel erhabenen und samplebefreiten R&B.“ Sie lassen „mit intelligentem Songwriting, Raffinesse und Seele viele aktuelle Veröffentlichungen aus dem US-Mutterland dieser Musik alt aussehen“. So begründet die Jury vom Preis der deutschen Schallplattenkritik e.V. (PdSK) die Entscheidung, das Produzentenduo für sein Album „Sumthin‘ like this“ mit einem Jahrespreis 2015 auszuzeichnen. Wie sich das live anhört, konnte man am 5. November 2016 beim vierten Soulfood-Festival in der Stadthalle Bremerhaven erleben. Dort traten neben Cool Million unter anderem auch Natasha Watts und die US-Funk-Legenden von Midnight Star auf. Bevor Frank Ryle (Foto rechts) und Rob Hardt (links) mit Cool Million auf der Bühne loslegten, würdigte PdSK-Juror Torsten Fuchs stellvertretend für die Kritikervereinigung in einer Laudatio die Arbeit der beiden Black-Music-Enthusiasten und überreichte ihnen die Jahrespreis-Urkunde für Sumthin‘ like this, laut PdSK eine der zwölf besten Produktionen des Jahres 2015.
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Sternal Symphonic Society - Konzert und Verleihung des Jahrespreises der deutschen Schallplattenkritik

Jahrespreis an Sebastian-sSernal-3_oktober-2016. Foto: Florian Ross Köln. In seiner bereits mehrfach preisgekrönten Symphonic Society führt WDR-Jazzpreisträger Sebastian Sternal herausragende junge Musiker aus Jazz und Klassik in einer 11-köpfigen "symphonischen Combo" zusammen.  Der feine Klang eines Klaviertrios, ein vierköpfiger Bläsersatz und ein Streichquartett verbinden sich zu einem Gesamtkunstwerk aus atemberaubenden Klangschichten. Expressiv und leidenschaftlich. Elemente aus Klassik und Jazz verschmelzen und fluten die Grenzen herkömmlicher Musik-Genres. Es entstehen Kompositionen, die ein völlig neues Spannungsfeld erzeugen. Sebastian Sternal wurde am 3. Oktober 2016 mit seiner Symphonic Society im Rahmen des Konzerts im Kölner Stadtgarten mit einem Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik geehrt für das Album "Sternal Symphonic Society Vol. 2" (Traumton Records). Stellvertretend für die Gesamtjury des PdSK würdigte Musikjournalist und Juror Werner Stiefele (Foto links) den Künstler mit einer Laudatio und überreichte Urkunde und Blumen. In der Jury-Begründung vom Preis der deutschen Schallplattenkritik e. V. heißt es: „Bei seinen Grenzüberschreitungen begibt sich Sternal weder auf das Terrain der Neuen Musik, noch greift er auf filmmusikalische Sounds zurück. Konsequenter als andere Ensembles verschmilzt die Symphonic Society den Jazz mit europäischer Musiktradition.“ Anlässlich der Verleihung des Jahrespreises präsentierte die Society ausgewählte Highlights! Unter anderem mit dabei: Jonas Burgwinkel, Robert Landfermann, Niels Klein, Frederik Köster und Erik Schumann. Foto: Florian Ross
 

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Neue Longlist vom Preis der deutschen Schallplattenkritik

bestenlste-117px-transparentBonn.  Der Preis der deutschen Schallplattenkritik (PdSK e.V.) stellt seine aktuelle Longlist vor. Insgesamt haben 156 Juroren aus 32 Fachjurys 240 Neuerscheinungen aus dem letzten Quartal vorgeschlagen für die Auswahl der vierten Bestenliste 2016. Die Bestenliste 4/2016 wird am 15. November veröffentlicht.icon Longlist 4.2016


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Sporn, Korrektiv, Ermutigung. Ein Nachruf auf Ludolf Baucke

Ludolf Baucke Bonn. Am 31.Juli 2016 ist Ludolf Baucke in Hermannsburg gestorben, am 11.8. wurde er beerdigt im Kreis der Familie. Baucke war ein sehr guter Freund. Einen besseren findet man nicht. Er war Sporn, Korrektiv, Ermutigung, Ideenborn, Fundbüro, Sprungbrett, Entdecker und Zuflucht. Viele Jahre, bevor ich ihn persönlich kennenlernte, kannte ich schon seine Texte über Musik. Neben seinem Lehrerberuf schrieb er Musikkritiken für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, für die Neue Musikzeitung, für die Hannoversche Allgemeine, mit Witz, einer unverwechselbar bizarren Feder und mit dialektisch geschärftem Blick für Widerstände. Irgendwann in den neunziger Jahren, bei einer der jährlichen Mitgliederversammlungen des PdSK-Vereins, an denen ich genau so selten Gelegenheit hatte, teilzunehmen, wie andere permanent reisende Musikkritiker auch, sah ich ihn zum ersten Mal. Er leitete natürlich die Diskussion. Oder führte er Protokoll? Jedenfalls sah ich ihn erstmals eingreifen, ordnen, klären, schallen, wüten, lachen. Dieser Herr Baucke, lernte ich, ist zwar ein durchaus lauter Mensch. Kein Angsthase, kein Leisetreter, auch alles andere als ein Diplomat. Aber vor allem ist er ein ganz ausgezeichneter Zuhörer.
Baucke steigt nicht sofort in den Ring, wenn etwas schief läuft, jemand loslabert, sich erregt. Er sagt nur: „Hm. Na gut.“ Und hört zu. Aber dann kommt irgendwann zuverlässig und messerscharf Bauckes Analyse mit Conclusio. Wie viele gordische Knoten hat er im Laufe der Jahre für den PdSK e.V. auf diese Weise zerschlagen, mit seinem Blick für das Wesentliche? Wie oft hat er uns gut und richtig geraten?

baucke-4Geboren 1939 in Stade, studierte Ludolf Baucke an der Musikhochschule in Hannover Klavier (bei Karl Engel) und nebenher Geographie. Er entschied sich für das Lehramt. Von 1963 bis zu seiner Pensionierung 2001 stand er im niedersächsischen Schuldienst, seit 1978 als Leiter des Hannover-Kollegs. 1980, als man noch Schallplatten aus Vinyl auflegte, wurde er Juror beim Preis der deutschen Schallplattenkritik und wirkte in diversen Jurys, Jahresausschüssen und Vorständen mit. Dass ihn die digitale Revolution, die das Musikhören ebenso grundlegend umwälzt wie den Diskurs über Musik, nicht nervös gemacht hat, dafür sorgte seine angeborene Neugierde auf Neues, die manchmal etwas Unbändiges hatte. Als Musikkritiker wie als Juror liebte er die Musik lebender Komponisten, besonders politisch inspirierte, besonders Stücke, die sich nicht von selbst verstehen, außerdem interebaucke-kritikerquartettssierte er sich für alles, was das Klavier betrifft, aber auch das Horn, sowie für junge Musiker, für Unbekanntes, Fremdartiges, für bildende Kunst, für Geschichte. Wichtiger als die allzu leicht verholzenden Metaebenen der Diskussion ist ihm wohl immer eher die Sache selbst gewesen, das lebendige Kunstwerk, als Menschenäußerung, in seiner Vielfalt. Im Kurzporträt seiner selbst schrieb Baucke über Baucke: „Lässt sich immer wieder überraschen von provozierender Musik, gleich ob alt oder neu, nah oder fern, klassisch oder nichtklassisch.“ So war es. Er fehlt.
Eleonore Büning

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Ehrenpreis verliehen an die Berliner Jazz-Legende Coco Schumann

Ehrenpreis 2015 in Berlin  an Coco Schumann. Foto: Bärbel Petersen Berlin. Coco Schumann nahm in Berlin-Charlottenburg einen der drei vom Preis der deutschen Schallplattenkritik e. V. 2015 ausgelobten Ehrenpreise entgegen. Geehrt wurde damit das gesamte Lebenswerk Coco Schumanns. Der 92-jährige Swing-Musiker, über dessen Leben die Hamburger Kammerspiele 2012 ein Theaterstück machten, feierte die Auszeichnung im Kreise seiner Familie, enger Freunde und Weggefährten. Als Vertreter des PdSK würdigte Juror Albrecht Thiemann den Gitarristen, den es bis ins hohe Alter auf die Bühne zog, mit einer Laudatio, überreichte Urkunde und Blumen. Heute lebt Coco Schumann in einem Berliner Seniorenheim. Foto: Bärbel Petersen

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Jahrespreisverleihung für die Produktion „Magic Kamancheh“ beim Abschlusskonzert des Rudolstadt-Festivals

Jahrespreis an Bernhard Hanneken beim Rudolstadt-Festival (Foto: Frank Szafinski) Rudolstadt. Rund 90 000 Besucher hatte das alljährlich im Juli - und nun schon zum 26. Mal - stattfindende Festival diesmal in die thüringische Stadt am Saalebogen gelockt. Das Rudolstadt-Festival gilt als Deutschlands größtes Folk- Roots-Weltmusik-Festival. Am letzten Tag, am Sonntag, dem 10. Juli, nahm in diesem Rahmen Bernhard Hanneken (r.), Produzent und Autor der vom Preis der deutschen Schallplattenkritik e. V. 2015 mit einem Jahrespreis bedachten NoEthno-CD Magic Kamancheh: Die Streichlauten 1- Asien bei sommerlichen Temperaturen und vor einem begeisterten Publikum diesen Jahrespreis entgegen. Ausgezeichnet wurde diese Produktion in der Sparte „Traditionelle ethnische Musik“. Das kleine Label NoEthno hatte sich mit diesem Projekt (4 CDs plus DVD) einer großen Herausforderung gestellt. „Das (…) Werk zu den Streichinstrumenten Asiens stellt alles in den Schatten, was man bisher auf diesem Sektor kannte: eine unglaubliche Fülle von Bildern, Texten, Namen und Klängen tut sich auf,“ wie es in der Jury-Begründung heißt. Bernhard Hanneken, der zugleich künstlerischer Leiter des Rudolstadt-Festivals ist, wurde von der Festival-Gemeinde mit viel Beifall geehrt. Die Laudatio für den Preis der deutschen Schallplattenkritik e. V. hielt PdSK-Juror Dr. Jan Reichow (l.). Er überreichte auch die Urkunde und wies dabei noch einmal auf die besondere Bedeutung dieses unabhängigen und nicht kommerziell ausgerichteten Kritikerpreises hin. (Foto: Frank Szafinski)


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Jahrespreisverleihung an den Pianisten Ronald Brautigam

Jahrespreisverleihung an Ronald Brautigam. Foto: Schmelz FotodesignWürzburg. Ronald Brautigam – vielseitig und virtuos -  gilt aber auch als einer der derzeit bedeutenden Hammerklavierspezialisten. Für seine überragende Gesamteinspielung der 32 Klaviersonaten Ludwig van Beethovens, erschienen auf dem schwedischen Label BIS, hatte ihn der Preis der deutschen Schallplattenkritik PdSK e.V.) 2015 mit einem Jahrespreis ausgezeichnet. Insbesondere hervorgehoben wurden dabei Ronald Brautigams „unvergleichlich klare, in Dynamik und Artikulation vitale und architektonisch kluge Interpretationen“ (wie es in der Jurybegründung heißt). Anlässlich seines Auftritts am 29. Juni beim Mozartfest Würzburg nahm der Pianist im würdevollen Rahmen des Kaisersaals der Würzburger Residenz aus den Händen von Sabine Fallenstein, Jurorin und stellvertretende Vorsitzende des PdSK, feierlich die Urkunde entgegen. Zuvor hatte Ronald Brautigam Mozarts Klavierkonzert C-Dur KV 246 gespielt – und war anschließend mit dem Konzert Es-Dur KV 449 zu hören. (Foto: Schmelz Fotodesign)


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Jahrespreis für Vijay Iyer

Jahrespreis an Vijay Iyer (Foto: Ulla C. Binder)Berlin. Höhepunkt des in diesem Jahr zum dritten Mal stattfindenden Berliner X-Jazz-Festivals war der Auftritt von Vijay Iyer. Nicht umsonst gilt dieser Klaviervirtuose, Amerikaner mit indischen Wurzeln, als einer der derzeit besten Jazzpianisten der Welt. Im Rahmen seines Konzertes am 6. Mai im Club Lido nahm Vijay Iyer einen Jahrespreis des Preises der deutschen Schallplattenkritik e. V. (PdSK) entgegen. Zugesprochen wurde ihm diese Auszeichnung von der Gesamtjury, vertreten durch den Jahresausschuss, für sein voriges Jahr beim Label ECM erschienenes Album „Break Stuff“. In der Jurybegründung  heißt es: „Aus gegensätzlichen Elementen gestaltet das Vijay Iyer Trio intensive Kompositionen, die aus der Geschichte des Jazz wie der europäischen Konzertmusik schöpfen“. Die Überreichung der Urkunde nahm, stellvertretend,  PdSK-Juror Lothar Jänichen vor. (Foto: Ulla C. Binder)


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François-Xavier Roth mit Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet

Jahrespreis an Francois-Xavier Roth (Foto: Claudia Höhne)Bonn. Im Anschluss an das Gastspiel seines Orchester „Les Siècles“  beim Hamburger Musikfest nahm der Dirigent François-Xavier Roth am 25. April 2016 den Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik  (PdSK e.V.) entgegen. Die Auszeichnung wurde überreicht vom Musikredakteur des Hamburger Abendblatts und PdSK-Juror Joachim Mischke, im Namen der Gesamtjury. Sie gilt insbesondere der Live-Produktion von zwei Werken Igor Strawinskys, die vor rund hundert Jahren Furore gemacht hatten: „Le Sacre du Printemps“ und „Petrouchka“, verlegt vom Label Actes Sud, im Vertrieb von harmonia mundi, eingespielt von Roth mit „Les Siècles“. In der Jury-Begründung heißt es: „Dank eines ausgewählten, zeitgenössischen Instrumentariums, hörbar vor allem bei den Bläsern, im Schlagwerk und Klavier, werden die archaische Wirkung und Strahlkraft der Musik neu erfahrbar.“ François-Xavier Roth ist sowohl Originalklang-Spezialist als auch ein ausgewiesener Kenner der zeitgenössischen Musik, er hat nicht nur „Les Siècles“ gegründet, sondern auch viele Donaueschinger Uraufführungen geleitet, als langjähriger Chefdirigent des SWR-Sinfonieorchesters. Außerdem leitet Roth seit kurzem das Gürzenich-Orchester in Köln. Diese  Bandbreite des Profils ist äußerst ungewöhnlich bei jüngeren Dirigenten seiner Generation. (Foto: Claudia Höhne)
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Quartette der Kritiker - Rückblick auf die erste Jahreshälfte 2016

Quartett der Kritiker beim Heidelberger Frühling. Foto: Angelika InhoffenBonn. Sein erstes Quartett der Kritiker veranstaltete der Preis der deutschen Schallplattenkritik PdSK e.V. heuer gemeinsam mit dem Heidelberger Frühling.  Aus Anlass des zwanzigjährigen Jubiläums dieses Festivals erörterte das Quartett der Kritiker – Spezial: Was ist ein Meisterwerk? Am 24. April 2016 diskutierten im Kammermusiksaal der Stadthalle Heidelberg die Juroren (v.l.) Peter Hagmann, Eleonore Büning, Ludolf Baucke und Hans Klaus Jungheinrich. Dazu gab es Musikbeispiele von Bach bis Stockhausen. Foto: Angelika Inhoffen


ludwigsburger-schlossfWeitere Stationen des Kritikerquartetts in den Folgemonaten  sind Ludwigsburg, Dresden, Mülheim an der Ruhr sowie – im Herbst – Berlin und Frankfurt.  So unterschiedlich wie die gastgebenden Festivals, Konzertveranstalter und Örtlichkeiten, so verschieden die Musikwerke. Am 12. Mai diskutierten die Juroren Eleonore Büning, Volker Hagedorn, Thomas Rübenacker und Christian Wildhagen im Schubartsaal (im Forum am Schlosspark, Ludwigsburg) symphonische Dichtungen von Richard Strauss. Im Rahmen der Ludwigsburger Schlossfestspiele spielte das Festspielorchester anschließend unter Leitung von Pietari Inkinen zwei dieser Werke, nämlich „Don Juan“ und „Till Eulenspiegel“, außerdem stand bei dem Konzert ein neues Klarinettenkonzert von Magnus Lindberg auf dem Programm, mit dem Solisten Kari Kriikku.

dresdner_musikfestspieleUm das Konzert für Violoncello a-moll op.129 von Robert Schumann ging es zum Abschluss der Dresdner Musikfestspiele im Juni. Jan Vogler, Cellist und Festspielintendant, war Solist der Matinee in der Semperoper, begleitet wurde er vom Dresdner Festspielorchester unter Leitung von Ivor Bolton. Tags zuvor, am 4. Juni, traf im Palais im Großen Garten das Quartett der Kritiker zusammen, um exemplarische Tonaufzeichnungen des Schumannschen Werks zu diskutieren. Es wirkten mit: Eleonore Büning, Sabine Fallenstein, Christian Kröber und Kai Luehrs-Kaiser.

klavierfestival_ruhrBeim Klavierfestival Ruhr tritt das Quartett der Kritiker seit vielen Jahren regelmäßig auf. Dieses Mal stand das Klavierwerk des Jubilars Max Regers auf dem Prüfstand, die Podiumsrunde fand am 7. Juni in der Stadthalle von Mülheim statt, mit den Juroren Eleonore Büning, Wolfram Goertz, Wolfgang Schreiber und Christoph Vratz, anschließend musizierten Igor Levit und Markus Becker Regers Beethoven- und Mozart-Variationen – letztere in der vierhändigen Version.
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Nachruf Matthias Inhoffen: Die stille Kraft des Zusammenhalts

matthias-1988Bonn, den 17. März 2016. Vor nicht ganz vier Wochen starb Matthias Inhoffen, nach langer, schwerer Krankheit. Viele Kollegen haben ihn als Juror im Pop/Rock-Bereich gekannt und geschätzt, aber auch als Redakteur von Stereoplay, als  Vorstandsmitglied und schließlich als unentbehrlicher Geschäftsführer des PdSK e.V., wobei ihm seine Frau Angelika im Team zur Seite stand.  Zur Trauerfeier am 4. März reisten die Juroren Ludolf Baucke, Lothar Brandt, Eleonore Büning, Christoph Hammer, Christian Kröber und Werner Stiefele nach Ludwigsburg, um Matthias die letzte Ehre zu erweisen. Für diejenigen, die nicht dabei sein konnten, aber überhaupt für alle, die seiner gedenken, sei hier ein Foto von Matthias veröffentlicht, aus der Zeit, als er frisch eingetreten war im PdSK, und dazu, mit freundlicher Erlaubnis,  der Nachruf, den Vorstandsmitglied Manfred Gillig-Degrave für die Musikwoche schrieb.

matthias2004„Der deutsche Musikjournalismus hat eine seiner verlässlichsten und profiliertesten Persönlichkeiten verloren: In der Nacht vom 19. auf den 20. Februar 2016 verstarb in Stuttgart nach langer, schwerer Krankheit der Musik- und Fachredakteur Matthias Inhoffen. Bis zuletzt wirkte er beim Preis der deutschen Schallplattenkritik e.V. (PdSK) mit, wo er von 1988 an als Juror, als Vorstandsmitglied und Schatzmeister und seit 2012 als Geschäftsführer aktiv war. Er war die Seele des Vereins, die stille Kraft des Zusammenhalts. Seit 1984 war er zudem Jurymitglied der Liederbestenliste.
Geboren am 18. Oktober 1951 in Freiburg im Breisgau, studierte Matthias Inhoffen an der Freiburger Universität Germanistik und Geschichte und engagierte sich in der Fachschaftsarbeit. Schon damals war der große, schlaksige Kommilitone mit dem weichen badischen Akzent ein Freund, auf den man zählen konnte. 1981 wechselte er in den Journalismus, um das Musikressort des HiFi-Magazins "stereoplay" bei der Stuttgarter Motor-Presse zu übernehmen - anstelle des elterlichen Fotofachgeschäfts in der Freiburger Innenstadt. Ab 1996 betreute er als freier Textchef mit stilistischem Feingefühl für die Motor-Presse das HiFi-Magazin "Audio" sowie diverse andere Zeitschriften. Seit 2010 war er als Textchef für den Fachverlag WEKA Media Publishing tätig.  Zudem machte er sich schon früh einen Namen als Musikjournalist, dessen Gehör bestens geschult war und dessen Horizont von den Beach Boys bis Jan Garbarek reichte. Dabei verstand er sich stets als Partner der Künstler und als Kommunikator von deren Kreativität.
Matthias Inhoffen war als Musikkritiker fair und kenntnisreich, als Textchef unbestechlich und penibel, als Mensch liebenswürdig und sanftmütig. Laute, schrille Töne waren nicht seine Art der Kommunikation. Er war ein bodenständiger, zuverlässiger Fachmann mit kritischem Blick, dessen Überzeugungskraft aus einer seltenen inneren Ruhe kam. Auf ihn war immer Verlass. Und selbst wenn es ihm sicher nicht immer blendend ging, ließ er sich das kaum anmerken. Die PdSK-Bestenliste für das zweite Quartal 2016 wollte er gern noch betreuen, wie so viele Bestenlisten davor. Doch daraus wurde nichts; der Krebs blieb am Ende nach jahrelangem Kampf Sieger. Matthias Inhoffen hinterlässt Frau und Sohn“  (Musikwoche, Manfred Gillig-Degrave)
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Jahrespreisverleihung an Thorbjørn Risager & The Black Tornado

Jahrespreisverleihung an Thorbjørn Risager & The Black TornadoBonn. Am Freitag, den 11. März, wurde der dänische Gitarrist und Sänger Thorbjørn Risager und seine Begleitformation The Black Tornado in Bonn für das Album „Too Many Roads“ mit einem Jahrespreis der Kritikervereinigung „Preis der deutschen Schallplattenkritik e.V.“ ausgezeichnet. Die Juroren begründen die Entscheidung unter anderem damit, dass der Kopenhagener Musiker "mit windgegerbter Stimme, knackig konzentrierten Gitarrensoli und der Energie seiner siebenköpfigen, von Bläsern dominierten Band im Rücken“ dem Blues „einen topmodernen Schliff“ verpasse und zudem „mit feinen Nuancen bei Produktion, Songwriting und instrumentaler Ausgestaltung“ demonstriere, „wie faszinierend vielfältig der Blues heute klingen kann“. Stellvertretend für die Gesamtjury des PdSK überreichte Juror Michael Seiz die Urkunde anlässlich eines vom WDR-Fernsehen aufgezeichneten Konzerts in der Bonner Musikkneipe „Harmonie“ (Foto: Albrecht Schmidt)
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Jahrespreisverleihung an Christophe Rousset und Les Talens Lyriques

Christophe Rousset JahrespreisverleihungHamburg. Der aus Aix en Provence stammende Dirigent und Cembalist Christophe Rousset und sein Ensemble Les Talens Lyriques waren vom Preis der deutschen Schallplattenkritik für ihre Einspielung der Oper Phaéton von Jean-Baptiste Lully (harmonia mundi) mit einem der insgesamt 12 Jahrespreise 2014 ausgezeichnet worden. Im Rahmen eines Konzerts der NDR-Reihe „Das Alte Werk“ am 3. November 2015 überreichte PdSK-Jurorin Elisabeth Richter diesen Preis an Christophe Rousset in der Hamburger Laeiszhalle vor begeistertem Publikum. Sie gratulierte dem Künstler und ehrte ihn mit einer Urkunde. Les Talens Lyriques und Christophe Rousset werden laut Preisbegründung u. a. für ihr „saftig sprühendes Klangbild“ und „explosive Frische“ ausgezeichnet, was auch im Konzert bei Werken u. a. von François Couperin, Élisabeth Jacquet de la Guerre und Louis Nicolas Clerembeault zu hören war. (Foto: Claudia Höhne)

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